Die Story ist bewegend und lässt den Leser wütend zurück

Titel: Du wolltest es doch

Übersetzerin: Katarina Ganslandt

Verlag: Carlsen

Ausgabe: Hardcover

Seiten: 368

ISBN: 978-3-551-58386-4

Preis: 18,00 €

 

Quelle des Covers: Carlsen Verlag

 


 


Emma ist 18 Jahre alt, sie ist attraktiv und beliebt bei Mädchen wie Jungen. Jede/Jeder möchte mit ihr befreundet sein und sie genießt die ihr entgegen gebrachte Aufmerksamkeit in vollen Zügen und kann gar nicht oft genug im Mittelpunkt stehen.

 

Dabei ist ihr fast jedes Mittel recht, um dieses Ziel zu erreichen. Sei es sich aufreizend anzuziehen, immer einen coolen Spruch auf den Lippen zu haben oder einfach mal die Sau rauszulassen, was ist schon dabei. Als Emma auf einer Party angetrunken und unter Drogeneinfluss gemeinsam mit Paul in einem Zimmer verschwindet und mit ihm schläft, ist ihre Welt am nächsten Tag völlig auf den Kopf gestellt. 


Plötzlich ist sie nicht mehr jedermanns Darling, sondern wird als Schlampe und noch weit schlimmeres beschimpft und gedemütigt. Sie ist selbst schuld, denn sie wollte es ja schließlich auch, oder vielleicht nicht?

 

 

Auf Du wolltest es doch (Carlsen Verlag) von Louise O´Neill war ich sehr neugierig, da es nicht unbedingt ein typisches Buch ist, welches ich normalerweise lese. Zudem interessierten mich die behandelten Themen, wie Feminismus, Vorverurteilung, Schuldzuweisungen und Mobbing. Allerdings habe ich nicht mit dieser Heftigkeit in der Geschichte gerechnet.


Der Einstieg in die Handlung fiel mir zunächst etwas schwer, da die Autorin sehr viele Charaktere auf den ersten Seiten untergebracht hatte. Der Leser lernt neben der attraktiven und nach außen hin selbstbewussten Emma auch ihre besten Freundinnen Jamie, Maggie und Ali kennen. Alle vier gehen gemeinsam auf eine Mädchenschule und unternehmen alles zusammen. Durch Emmas Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zeigen sich jedoch schon bald erste Risse im zwischenmenschlichen Bereich der Gruppe.


Emma kam mir wie eine lebensfrohe junge Erwachsene vor, die alles spielend erreicht und von allen angehimmelt wird. Doch in ihrem Inneren sieht es ganz anders aus. Für sie ist es sehr anstrengend jeden Tag diese Rolle zu spielen, immer zu lächeln und auf "Best Friend" zu machen. Zwar schmeichelt es ihrem Ego, von so vielen Menschen geliebt zu werden, aber von einer bestimmten Person, wird ihr diese Liebe nicht entgegen gebracht - von ihrer Mutter. Ein wesentlicher Grund für die fehlende mütterliche Zuneigung ist ihr Bruder Bryan, der Liebling der Familie. Überhaupt waren mir die Eltern von Emma mehr als suspekt. Gerade die Handlungen der Mutter konnte ich zu keinem Zeitpunkt nachvollziehen und sie machte mich regelrecht wütend. Auch der Vater steht seiner Tochter nicht wirklich zur Seite, als diese dringend Hilfe benötigt.

 

Durch die Ereignisse auf der Party erfährt Emma nun die Schattenseiten des Lebens. Klar war es ein Fehler mit Paul unter Alkohol- und Drogeneinfluss zu schlafen und das er in einer festen Beziehung ist, macht die Situation auch nicht besser. Aber trifft diese Schuld nicht beide? Ebenso die weiteren Geschehnisse, die ihr in dieser Nacht widerfahren sind, bewegten mich sehr. Die Taten der beteiligten Jungen kann ich absolut nicht verstehen und erst recht nicht gutheißen. Selbst wenn sich Mädchen/Frauen aufreizend anziehen und heftig flirten, ist dies niemals ein Freifahrtschein für Jungen oder Männer, sich unter Gewaltanwendung alles zu nehmen! Klar könnte man nun sagen, dass es das weibliche Geschlecht doch so will und es regelrecht darauf anlegt, aber diese Ausrede ist mir definitiv zu einfach und stimmt nicht! "Nein" heißt "Nein". Ein weiterer Punkt, welcher mich schockierte, war die falsche Rollenverteilung zwischen Gut und Böse. Hier wird einem Opfer die Täterrolle zugesprochen, wie es im wahren Leben des Öfteren auch geschieht.


Emma kann sich an die Ereignisse der vergangenen Nacht nur bruchstückhaft erinnern. Nachdem sie sich von ihrem schweren Sonnenbrand einigermaßen erholt hat, geht sie wieder zur Schule und tut so, als wäre nichts Schlimmes geschehen. Jedoch schneller als ihr lieb ist, wird Emma nun Schadenfreude und Hass entgegen gebracht. Sie wird unverhohlen schikaniert und ausgelacht, was ihre Verzweiflung und Unwissenheit wachsen lassen. Als sich auch ihre Freundinnen gegen sie wenden, steht Emma plötzlich ohne Hilfe da. Obwohl ich den Grund von Maggie, Jamie und Ali verstand, konnte ich es nicht gutheißen.


Einzig ihr Bruder Bryan scheint bei klarem Verstand zu sein und bringt das Thema Vergewaltigung zur Sprache, sodass sich Emma dazu entschließt, Anzeige zu erstatten. Durch die gewählte Ich-Perspektive konnte ich die seelische und psychische Belastung von Emma nachempfinden und im weiteren Verlauf der Story wurde ich, ob der Handlungen der einzelnen Charaktere immer wütender.

 

Das Ende gefiel mir zunächst nicht und ich hätte mir ein anderes gewünscht, aber es ist leider durchaus realistisch und nicht selten geschieht dies im wahren Leben genauso. Auch im Hinblick auf das Nachwort der Autorin konnte ich diesen Ausgang letztlich nachvollziehen.

 

 

Mit einer starken Intensität beschreibt Louise O´Neill die Gefühlswelt der Protagonistin Emma in Du wolltest es doch (Carlsen Verlag). Die Story hat mich sehr bewegt, da sie zugleich bedrückend und realistisch ist. Das Schicksal von Emma machte mich unendlich wütend und ebenso traurig, da dieses leider kein Einzelfall ist. Die Geschichte stimmt mich nachdenklich und regt hoffentlich zum Diskutieren an - 4 von 5 Nosinggläser.

 

 

 

 

 

Gemäß § 2 Nr. 5 TMG kennzeichne ich diese Rezension als Werbung. In meinem Beitrag befindet sich (zu informativen Zwecken) eine Verlinkung zur Webseite des Verlags, in welchem das Buch erschienen ist. Ihr erhaltet somit auch weitere Informationen zum Buch, zum Autor sowie eventuell auch zu weiteren Romanen.

Quelle: http://uwes-leselounge.blogspot.com/2018/09/rezension-du-wolltest-es-doch-von.html