Eine magische, bezaubernde und wundervolle Geschichte

Titel: Das Mädchen, das den Mond trank

Übersetzerin: Sandra Knuffinke & Jessica Komina

Verlag: S. Fischer / Sauerländer

Ausgabe: Hardcover

Seiten: 460

ISBN: 978-3-7373-5538-4

Preis: 16,99 €

 

Quelle des Covers: S. Fischer Verlag

 


 

 

Die Bewohner des Protektorats setzen jedes Jahr das jüngste Kind im Wald aus, so will es das Gesetz. Dieses Kind ist eine Opfergabe an die im Wald lebende böse Hexe. Damit soll sie besänftigt werden, um zu gewährleisten, dass die Menschen den einzigen begehbaren Weg im Wald ungehindert nutzen können und die Bürger der Gemeinde nicht von ihr angriffen werden. Doch geht hierbei alles mit rechten Dingen zu?


So bekleitet der Leser die Hexe auf ihrem beschwerlichen Weg zur Lichtung im Wald, um das Kind zu holen. Auf dem Rückweg gibt sie dem Baby versehentlich Mondlicht anstatt Sternenlicht zu trinken, was weitreichende Konsequenzen für sie, das Kind und ihr Umfeld bedeutet. Denn Mondlicht ist pure Magie und so bleibt Xan nichts anderes übrig, als sich dem Baby anzunehmen.


Gemeinsam mit dem Sumpfmonster Glerk und dem "ganz und gar gigantischen Drachen" Fyrian zieht Xan Luna, wie sie das Kind nennt, groß. Die Jahre vergehen und Luna wächst zu einem jungen Mädchen heran. Unterrichtet wird Luna dabei von ihren beiden Freunden und der Hexe in den unterschiedlichsten Bereichen. Zusätzlich versucht Xan Luna an die Magie und ihr Potenzial heran zu führen. Mit leider mäßigem Erfolg, da Luna so gar keine Lust darauf hat.


Als sich die Anzeichen verdichten, dass die Magie aus Luna unkontrolliert heraus strömt, ist Xan zum Handeln gezwungen. Denn es könnte passieren, dass sich Luna selbst oder andere in Gefahr bringt, da sie von ihren Kräften nichts weiß und diese somit nicht steuern kann. Daher sieht Xan keinen anderen Ausweg und setzt alles auf eine Karte...

 


Alleine schon wegen diesem wunderbaren Cover und der sehr schön klingenden Geschichte, musste ich Das Mädchen, das den Mond trank von Kelly Barnhill (Sauerländer) unbedingt lesen. 


Neugierig, was mich erwarten würde, begann ich zu lesen und wurde regelrecht in diese wunderschöne, berauschende, liebevolle und absolut magische Welt von Xan und Luna hinein gesogen. Völlig verzaubert von dieser sehr berührenden Handlung, flogen die Seiten regelrecht und ich bin noch immer absolut verzaubert davon.

 

Auf den ersten Blick scheinen die Rollen, was Gut und Böse betrifft, eindeutig verteilt zu sein. Die böse Hexe fordert ein Opfer als Besänftigung, sonst bringt sie Tod und Verderben über die Bevölkerung. Und die Gemeinschaft tut, was von ihr verlangt wird. Allerdings steckt so viel mehr dahinter, denn nicht immer ist alles so eindeutig, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte.


Die Geschichte beginnt mit dem jungen Antain, der als Ältestenanwärter miterleben muss, wie ein kleines Mädchen aus den Armen seiner schreienden Mutter regelrecht entführt und als Opfer auf einer Lichtung im Wald abgelegt wird. Die Mutter wird durch ihren Schmerz und Kummer zu einem nervlichen Wrack und soll daher zur weiteren Beobachtung in den Turm der Schwestern des Sterns gebracht werden. Die Stimmung innerhalb der Begrenzungsmauern des Dorfes empfand ich als sehr bedrückend und düster, da ein immer fortwehrender Nebel über dem Ort liegt. Die Einwohner empfinden keine Freude und fristen ein Dasein in Armut und Trauer. Nur den Ältestenratsmitglieder und deren Familien geht es gut und sie stellen sozusagen den Wohlstand dar.


Diesem steht der Ältestenratsvorsteher Gherland vor, der gleichzeitig auch noch der Onkel von Antain ist. Er sorgt mit eiserner Hand dafür, dass die Gesetze eingehalten werden. Antain ist in vielen Punkten anderer Meinung, was ihn des Öfteren in Schwierigkeiten bringt. Er kann diese Ungerechtigkeiten nicht länger hinnehmen und beschließt dagegen anzugehen.


Mit sehr viel Liebe zum Detail wurden die einzelnen Charaktere von der Autorin ausgearbeitet und besitzen allesamt eine gewisse Tiefe. Auch die Beschreibungen der Landschaft und Menschen wurden mit sehr viel Hingabe beschrieben, sodass ich mir diese sehr gut vorstellen konnte.


Die Hexe Xan gefiel mir richtig gut, da sie das Herz auf dem rechten Fleck hat. Sie kann die Menschen hinter der großen Mauer nicht verstehen und versucht die ausgesetzten Kinder in die Obhut von anderen Familien zu bringen. Dies möchte sie auch mit dem jüngsten Opfer tun, doch auf der Rückreise unterläuft ihr ein folgenschwerer Fehler. Denn anstatt Sternenlicht, bekommt das Baby von ihr Mondlicht zu trinken, was dazu führt, dass dieses Kind magiefiziert wird. So beschließt Xan sich dem Baby anzunehmen und es wie ihr leibliches Enkelkind groß zu ziehen.


Unterstützung bekommt die Hexe durch das Sumpfmonster Glerk, einem vielarmigen schleimigen und doch recht freundlichen Monster. Glerk liebt die Poesie und fasst vieles in Reimen zusammen, was die Story noch putziger macht.


Mein heimlicher Favorit ist allerdings Fyrian, ein "ganz und gar gigantischer Drache". Ausgelöst durch ein Trauma in seiner Kindheit, wächst er einfach nicht. Dies hindert ihn aber nicht daran, fröhlich und glücklich zu sein und als er das Baby sieht, ist es um ihn geschehen. Fortan weicht er Luna nicht mehr von ihrer Seite und wird somit zu ihrem bestem Freund.


Luna wirkt zunächst auf den Leser wie ein ganz normales Kind, was mir gut gefiel. Als ihre "Kräfte" z. B. durch erblühende Blumen in den hinterlassenen Fußabdrücken, zu Tage treten, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Hier hat sich Kelly Barnhill einige tolle Beschreibungen überlegt, was ich richtig toll fand. Als Luna später feststellt, dass sie Magie wirken kann, war ich gespannt, ob sie es für etwas Gutes oder gar Böses einsetzen würde.

 


Wer ein außergewöhnliches Märchen mit wunderbaren Charakteren lesen möchte, dem kann ich Das Mädchen, das den Mond trank von Kelly Barnhill (S. Fischer/Sauerländer) nur empfehlen.


Denn während dem Lesen, geht einem regelrecht das Herz auf. Dabei ist die Geschichte magisch, berührend und absolut bezaubernd. Mit viel Liebe und Hingabe hat die Autorin hier eine wundervolle Geschichte über Luna, ihre Großmama Xan und ihren Freunden geschrieben - 5 von 5 Nosinggläser.


Quelle: http://uwes-leselounge.blogspot.com/2018/03/rezension-das-madchen-das-den-mond.html