Geniale Grundidee, allerdings mit einigen Schwächen

Titel: Cloud

Verlag: Arena

Ausgabe: Hardcover

Seiten: 368

ISBN: 978-3-401-60349-0

Preis:  15,00 €

 

Quelle des Covers: Arena Verlag

 


 


Für Emma ist die Welt, auf Grund des Unfalltodes ihres kleinen Bruders, nicht mehr so wie sie vorher war. Sie ist unglaublich traurig und vermisst ihn sehr. Ihre Eltern haben durch den Tod des Sohnes mit sich selbst zu tun und so muss Emma mit ihren Gefühlen und der Trauer alleine fertig werden. Auf einer Sozial Media Plattform hat sie eine Seite gefunden, wo man virtuell eine Kerze für den Toten anzünden und sich mit anderen über die Schmerzen, die Wut und die Traurigkeit austauschen kann. Als Emma eine Nachricht von Paul unter einem Beitrag, und kurze Zeit später auch eine Freundschaftsanfrage von ihm erhält, fühlt sie sich zum ersten Mal seit längerer Zeit verstanden. Daher nimmt sie seine Anfrage gerne an und es entsteht ein reger Nachrichtenaustausch zwischen den Beiden.


Der Kontakt tut Emma gut und sie fühlt sich seit längerer Zeit wieder verstanden. So teilt sie bereitwillig fast alles mit Paul und gibt leichtsinnig wichtige Daten von sich und ihrer Familie preis. Was ihre Eltern, vorrangig ihr Vater, nicht wissen dürfen, da sie nach dem tragischen Tod des Bruders in ein SmartHome Haus gezogen sind. Dieses Haus überwacht und bewacht die Familie, kennt die Vorlieben seiner Bewohner und vermittelt so einen gewissen Schutz. 


Ob sie Gefühle für Paul hat, darüber ist sie sich noch nicht ganz sicher. Nichtsdestotrotz wächst in Emma immer mehr der Wunsch, Paul endlich in realer Umgebung zu treffen. Doch wenn dieses Thema in ihren Chats zur Sprache kommt, weicht Paul diesem immer wieder aus. Aber warum geht dieser nicht darauf ein? Hat Paul etwas zu verheimlichen? Oder gibt es Paul in Wirklichkeit vielleicht gar nicht und jemand spielt mit Emmas Gefühlen?

 


Die in Claudia Pietschmanns neuestem Buch Cloud behandelten Themen, wie Trauer & Verlust, Internetbekanntschaften, den Umgang mit sensiblen Daten von sich und anderen sowie den daraus resultierenden Konsequenzen, haben mich sehr neugierig auf die Geschichte gemacht. 


Der Einstieg fiel mir leicht, da uns die Autorin die Gefühlswelt von Emma sehr bildlich beschreibt und ich die Trauer und Wut über den Verlust eines geliebten Menschen sehr gut nachvollziehen konnte. Daher konnte ich den Wunsch nach einer Person, die Emma zuhört, ihr Trost spendet und sich ihrer annimmt verstehen. Paul ist diese Person, denn wenn er eines kann, dann zuhören und die richtigen Worte finden. Emma vertraut Paul fast blind und gibt bereitwillig immer mehr von sich preis, ohne zu merken, welche Konsequenzen daraus entstehen können. Sie filmt das Haus in dem sie lebt, nimmt ihren Alltag mit dem Handy auf und stellt Paul das Video zur Verfügung, um ihm eine Freude zu machen. Von einem 17-jährigen Mädchen hätte ich mir eine andere Denkweise erhofft. Sie war mir zu gutgläubig, naiv und einfach noch nicht reif genug für ihr Alter. Daher konnte ich ihre Handlungsweise zu großen Teilen nicht nachvollziehen und hätte sie am liebsten des Öfteren wachgerüttelt. Ebenso ignoriert sie Meinungen von Anderen, wie zum Beispiel von ihrem Freund Matt, völlig.

 

Matt versucht auf seine Art, ihr in dieser schweren Zeit zur Seite zu stehen. So versucht er Emma wieder für das Laufen zu begeistern und erstellt einen Trainingsplan für sie. Denn Emmas Wunsch war es, an dem im nächsten Jahr in Rom stattfindenden Marathon teilzunehmen. Er tat mir fast schon leid, da Emma kaum auf seine Hilfe einging und ihn buchstäblich im Regen stehen lässt. Ich mochte Matt, da dieser niemals aufgab und sich nicht abschütteln ließ.


Paul war mir zunächst sympathisch und er konnte durch sein Einfühlungsvermögen nicht nur bei Emma, sondern auch bei mir punkten. Doch im weiteren Verlauf fielen mir Äußerungen und Handlungen von ihm negativ auf, was mich zum Nachdenken brachte. Schnell ahnte ich worauf das Ganze abzielte, doch diese Tatsache zu lesen, verschlug mir kurzzeitig die Sprache. Ich hoffe, dass dies reine Fiktion bleibt!


Die Story selbst lässt sich dank dem tollen Schreibstil gut und flüssig lesen, allerdings hätte ich mir zum Einen einen deutlichen Fingerzeig hinsichtlich der gewählten Thematik gewünscht und zum anderen ein Ende, welches keine Fragen offen lässt. Auch fand ich, dass dieses viel zu schnell kam. Weiterhin hätte es für mich etwas mehr Spannung sein dürfen.

 


Cloud von Claudia Pietschmann aus dem Arena Verlag lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Zwar greift die Autorin ein sehr wichtiges Thema im Umgang mit unseren Daten auf, doch mir fehlte die Botschaft dahinter. Nämlich äußerst sensibel damit umzugehen und sie nicht leichtfertig weiterzugeben.

 

Obwohl ich Emma gut verstehen konnte, warum sie so gehandelt hat, war sie mir doch viel zu naiv und gutgläubig. Die Idee rund um Paul fand ich gelungen und hoffentlich bleibt diese reine Utopie. Ein wenig mehr Einsicht bei Emma und etwas mehr Spannung hätten der Geschichte meiner Meinung nach gut getan und daher vergebe ich - 3,5 von 5 Nosinggläser.

 

 

Quelle: http://uwes-leselounge.blogspot.com/2017/09/rezension-cloud-von-claudia-pietschmann.html